„Wir wollen wieder eine Heimmacht werden“
Tido Steffens peilt mit Kickers einen Sieg gegen Aufsteiger Schöningen an / 31-Jähriger war zuletzt an fünf von neun Emder Toren beteiligt
So ein bisschen haderte Tido Steffens auch am Dienstag noch mit dem Ergebnis vom vergangenen Sonntag. „Ich bin hin- und hergerissen, wenn ich über das 3:3 nachdenke“, sagt der Stürmer von Kickers Emden. „Natürlich hatten wir uns viel vorgenommen, aber mit Blick auf den Spielverlauf müssen wir mit einem Unentschieden zufrieden sein.“ Den einen Zähler verdankten die Ostfriesen Tobias Steffen, der per Foulelfmeter in der 96. Minute zum Ausgleich traf.
„Der HSC war schon spielstark, aber für uns wäre auch mehr möglich gewesen“, so Steffens. Damit meint der 31-Jährige vor allem die hochkarätigen Chancen von Janek Siderkiewicz (76.), Theo Schröder (83.) und Michel Eickschläger (87.). Die ausgelassenen XXL-Möglichkeiten in der dramatischen Schlussphase musste der bereits ausgewechselte Stürmer von der Ersatzbank aus mitverfolgen. „Wenn uns da das 3:2 gelingt, geben wir das Ding nicht mehr aus der Hand - da bin ich mir sicher.“
Es kam anders. Kickers kassierte in der dritten Minute der Nachspielzeit das 2:3 und kehrte letztlich mit dem ersten Remis der Saison nach Ostfriesland zurück. Auf die Emder wartet am Mittwochabend Teil zwei der „Englischen Woche“: Mit der FSV Schöningen trifft der amtierende Vizemeister auf den nächsten Aufsteiger (19 Uhr, Ostfriesland-Stadion). „Wir wollen wieder eine Heimmacht werden und oben dranbleiben“, sagt Steffens. „Es gibt keine Ausreden. Wir müssen dieses Spiel gewinnen.“

Tido Steffens traf gegen den Bremer SV nach 23 Sekunden zum 1:0. Foto: Jens Doden
Der Offensivmann hat den dritten Sieg in Serie vor heimischem Publikum fest im Blick - und hofft auf seine nächsten Scorerpunkte. Steffens, der bei den Niederlagen gegen Meppen (0:1) und in Drochtersen (1:3) jeweils nur zu kurzen Joker-Einsätzen gekommen war, hatte großen Anteil daran, dass Kickers in den vergangenen drei Partien neun Treffer gelungen sind. Zwei Tore erzielte der Stürmer selbst, drei weitere legte er auf. „Der Saisonstart war für mich ziemlich wechselhaft“, sagt er. „Mir war aber immer bewusst, dass ich meine Chance bekommen werde - und sie dann auch direkt nutzen muss.“
Gegen den Bremer SV stand das Emder Urgestein (seit der Saison 2010/11 im Verein) erstmals in der Startelf. Er traf nach 23 Sekunden zum 1:0 und bereitete die beiden Tore durch Marten Schmidt und Nick Stepantsev vor. Gegen Weiche Flensburg verwandelte Steffens einen Elfmeter zum zwischenzeitlichen 3:0 - und ließ am Sonntag in Hannover den nächsten Assist für Stepantsev folgen. „Es freut mich, dass ich der Mannschaft mit Treffern und Vorlagen helfen kann“, sagt er. „Ich habe richtig Bock darauf, die Bilanz in den kommenden Wochen auszubauen.“
Vorzugsweise bereits am Mittwochabend. Gegen eine Mannschaft, für die es bislang noch nichts zu holen gab. Fünf Spiele, fünf Niederlagen, 1:15 Tore, Tabellenplatz 18. „Wir kennen Schöningen noch aus Oberliga-Zeiten“, so Steffens. „Sie haben genügend Qualität im Kader, um jedem Gegner in der Liga wehzutun.“
Ein Beispiel dafür lieferte die Fußball-Sport-Vereinigung aus der 11.000-Einwohnerstadt nahe der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt am Sonntag: Daniel Reiche brachte sein Team vor 5300 Zuschauern in Meppen mit 1:0 in Führung (10.). Dieses Ergebnis verteidigte der Aufsteiger bis zur Nachspielzeit der ersten Hälfte. Am Ende wurde es deutlich, der SVM gewann mit 5:1. „Schöningen wird darauf brennen, endlich die ersten Punkte in der Regionalliga zu holen“, sagt Steffens.

Der 31-Jährige will auch am Mittwoch gegen Schöningen jubeln. Foto: Jens Doden
Geht es nach den Emdern, dürfte das Schlusslicht damit frühestens am Samstag im Auswärtsspiel beim VfB Oldenburg beginnen. „Wenn wir an die guten Phasen unserer Spiele gegen den Bremer SV und Flensburg anknüpfen können, werden wir die drei Punkte im Ostfriesland-Stadion behalten.
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass bei Kickers-Treffern auch Tido Steffens und Nick Stepantsev wieder beteiligt sein werden. Das Duo harmonierte zuletzt auffällig gut. „Manchmal passt es einfach auf Anhieb“, so Steffens. „Wir hatten beide keinen leichten Start, vielleicht spielen da unser Ehrgeiz und die zurückgewonnene Spielfreude eine gewisse Rolle.“
Das dramatische 3:3 in Hannover hat aus Sicht von Emdens Nummer 21 aber auch gezeigt, „dass bei jedem in der Mannschaft noch Luft nach oben ist“. Die ersten Fortschritte sollen die Fans am Mittwochabend sehen. Im „Wohnzimmer“ Ostfriesland-Stadion. Damit Kickers dem von Steffens geforderten Status einer Heimmacht wieder ein Stück näherkommt.