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Foto: Jens Doden

Regionalliga
Samstag, 10.10.2026 | Ingo Poppen

„Wir wissen, wie wichtig das Derby für unsere Fans ist“


Kickers-Kapitän Fabian Herbst spricht im Interview über seinen schönsten Derbymoment und das Duell beim VfB Oldenburg am Sonntag

Den Begriff „Auswärtsspiel“ verdient die kommende Aufgabe von Kickers Emden aus Sicht von Fabian Herbst wahrlich nicht. Im Gegenteil. Für den 26-Jährigen steht am Sonntag die kürzeste Fahrt der gesamten Saison an. Herbst lebt in Oldenburg - und tritt mit den Ostfriesen am Sonntagnachmittag (15 Uhr) zum Derby im Marschwegstadion an. Das ohnehin schon spezielle Duell ist für den 26-Jährigen noch ein bisschen spezieller: Herbst, der im Sommer 2024 vom VfB zum BSV gewechselt war, wird Kickers bei seinem Ex-Verein als Kapitän aufs Feld führen.

Im Interview spricht der Emder Innenverteidiger über seinen schönsten Derbymoment, das Wiedersehen mit seinem ehemaligen Klub und die Erwartungen an sein sechstes Derby im Kickers-Trikot.

Moin Fabi! Wie oft bist du in den vergangenen Tagen auf das Derby angesprochen worden?

Fabian Herbst: Über das Spiel wurde in letzter Zeit schon ein paar Mal gesprochen. So ein Derby ist immer etwas Besonderes. Das spüren wir im Umfeld, gerade bei unseren Fans. Aber auch in der Mannschaft war es zuletzt immer mal wieder ein Thema.

Wie groß ist die Vorfreude auf das Duell mit deinem Ex-Verein?

Herbst: Für mich ist es natürlich keine alltägliche Partie. Ich freue mich vor allem auf ein cooles Auswärtsspiel mit vielen Fans, das für alle Beteiligten eine große Bedeutung hat.

Foto: Jens Doden

Du spielst am Sonntag dein sechstes Derby für Kickers gegen den VfB. Deine Bilanz: drei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage. An welches Derby-Erlebnis denkst du besonders gern zurück?

Herbst: Die Bilanz würde ich sehr gerne am Sonntag ausbauen. Ich musste sofort an das Pokalspiel in der Saison 2024/25 denken, als ich in der 108. Minute zum 3:3 getroffen habe. Das war mein schönstes Derbyerlebnis - gerade deshalb, weil es mein wichtigstes Tor für Kickers war. Dass wir das Elfmeterschießen danach noch für uns entschieden haben und weitergekommen sind, war schon sehr besonders.

Emotional fand ich auch unser letztes Derby-Heimspiel mit der „alten“ Kickers-Mannschaft im April, das wir mit 4:2 gewonnen haben. Der Spielverlauf, das ganze Drumherum, daran denke ich auch sehr gerne zurück.

Foto: Jens Doden

Mit einem Sieg gegen Todesfelde hättet ihr eure gute Phase der vergangenen Wochen bestätigen können. Was hat aus deiner Sicht zur Niederlage geführt?

Herbst: Das war sehr, sehr bitter. Wir haben eine große Chance liegenlassen. Ich fand das Spiel nicht so schlecht, wie es einige gesehen haben. Wir hatten unsere Möglichkeiten in der ersten Halbzeit. Hätten wir die konsequent genutzt, wäre das Spiel sicher in unsere Richtung gekippt. Leider kam es anders und wir standen mit einer Heimniederlage da. Das darf uns natürlich nicht passieren. Für uns gilt es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und es am Sonntag wieder besser zu machen.

Die Fans haben sich und euch direkt nach dem Spiel auf das Derby eingestimmt. Auch für sie ist es ein ganz besonderes Spiel. Wie sehr kann euch die Atmosphäre im Marschwegstadion zusätzlich pushen?

Herbst: Wir wissen, wie wichtig dieses Spiel für unsere Fans ist. Mit ihnen im Rücken ist es immer sehr, sehr schön. Wir können uns schon die ganze Saison auf die Unterstützung verlassen. Das ist gerade für uns als junge Mannschaft extrem wichtig. Wir freuen uns darauf, den Kickers-Fans am Sonntag etwas zurückgeben zu können. Was das Jubeln angeht, hoffe ich, dass man die Emder deutlicher hören wird als die Oldenburger.

Der Großteil des Kickers-Kaders hat das Duell zwischen Emden und Oldenburg noch nicht erlebt. Wie habt ihr den Jungs die spezielle Bedeutung der Partie vermittelt?

Herbst: Viele unserer Jungs haben sich schon erkundigt, wie die Derbys in den vergangenen Jahren so abgelaufen sind. Sie bekommen durch die Fans, in der Stadt und aus den Medien natürlich auch viel mit, was dieses Spiel angeht. Wir sind jetzt eine neue Mannschaft - das bedeutet auch, dass wir im Vergleich zu vorher einen neuen Charakter mit ins Derby nehmen. Ich freue mich einfach, diese Aufgabe gemeinsam mit den Jungs anzugehen.

Foto: Jörn Hessel

Der VfB ist mit hohen Ansprüchen in die Saison gestartet, hat zuletzt aber zweimal in Folge verloren. Was für eine Oldenburger Mannschaft erwartet euch am Sonntag?

Herbst: Mit Oldenburg ist im Marschwegstadion immer zu rechnen. Sie treten sehr dominant auf, wollen das Spiel mit viel Ballbesitz gestalten. Das VfB-Team wird sehr motiviert sein und die beiden Niederlagen wieder gutmachen wollen. Ich glaube aber auch, dass sie vor ihrem Publikum einen gewissen Druck spüren werden. Das müssen wir ausnutzen.

Wie müsst ihr auftreten, um das Spiel gewinnen zu können?

Herbst: Erst mal gilt für beide Mannschaften, dass sie mit einem Derbysieg einiges vergessen lassen können. Für uns wird es ganz wichtig sein, dass wir fokussiert sind: auf das, was wir können, was wir die ganze Woche trainiert haben und was uns das Trainerteam vorgibt. Wenn wir eine konzentrierte Leistung abrufen, sind wir in der Lage, jede Mannschaft in der Liga zu schlagen. Das haben wir in dieser Saison schon bewiesen.

Wenn du ein Drehbuch schreiben dürftest, wie würde das Derby verlaufen?

Herbst: Es ist immer schwierig, zwischen einem dominanten und einem emotionalen Spiel zu unterscheiden. Einerseits würde ich mich über einen hoch emotionalen Sieg freuen. Andererseits hätte ein ruhiges, dominantes und einfaches Auswärtsspiel auch seinen Reiz. Darauf kann man sich nicht verlassen - und so wird es wohl auch nicht kommen. Deshalb würde in meinem Drehbuch stehen, dass wir früh in Führung gehen und kurz vor Schluss den Deckel draufmachen.