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Regionalliga
Dienstag, 24.03.2026 21:54 Uhr | Ingo Poppen

Kickers in Schöningen: „Das wird kein Selbstläufer“

Tobias Steffen hat beim Aufsteiger drei Punkte im Visier / 33-Jähriger glänzte zuletzt mit zwei Toren und einer Vorlage

Tobias Steffen muss grinsen, wenn er auf seinen Geniestreich angesprochen wird. „Ein paar Jungs haben mich nach dem Spiel gefragt, wie ich auf die Idee gekommen bin, von dort zu schießen“, sagt der 33-jährige Edeltechniker von Kickers Emden. Seine Antwort? „Ganz ehrlich: Ich kann es mir selbst nicht erklären - es war schon extrem weit entfernt.“

Rund 35 Meter, um genau zu sein. Keine Distanz für Steffen, wie er am Freitagabend beim Auswärtsspiel in Lohne unter Beweis stellte. Emdens Nummer 10 nahm einen Pass von Marten Schmidt kurz hinter der Mittellinie an, ging noch ein paar Schritte, blickte kurz nach oben - und zog einfach mal ab. „Ich weiß ja, dass ich einen besonderen Fuß habe - und den Ball habe ich ganz gut getroffen.“ So beförderte der Offensivspieler die Kugel mit seinem rechten Zauberfuß auch aus der großen Distanz zum 1:0 für die Ostfriesen ins Netz. „Das war ganz sicher kein normales Tor, aber ein sehr schönes“, sagt Steffen und lächelt.

Tobias Steffen traf gegen Norderstedt einmal und bereitete ein Tor von David Schiller vor. Foto: Jens Doden

Die große Freude über den Treffer der Marke „Tor des Monats“ war direkt nach dem Abpfiff allerdings verflogen. Kickers brachte den knappen Vorsprung nicht über die Zeit, sondern kassierte in der 76. Minute noch den Ausgleich. „Lohne hatte zu viele Standards. Dass da irgendwann einer reinfällt, war leider nur eine Frage der Zeit“, sagt Steffen. „Wenn wir vorher das 2:0 machen, ist das Spiel vorbei. Die Chancen dazu hatten wir.“ Die Schlussphase erlebte Steffen von der Ersatzbank aus mit. „Am Ende können wir sogar noch das 2:1 kassieren. Deshalb ist das Unentschieden verdient, vielleicht ein bisschen glücklich“, so der 33-Jährige. „Das Wichtigste war, dass wir nicht verloren haben.“

Die nächste Gelegenheit auf den achten Saisonsieg bietet sich den Ostfriesen bereits am Mittwochabend im Nachholspiel beim Aufsteiger FSV Schöningen (18 Uhr). „Wir haben eine weite Fahrt vor uns“, sagt Steffen. 342 Kilometer liegen zwischen dem Ostfriesland-Stadion und dem Elmstadion in Schöningen. „Wenn wir schon so weit fahren, wollen wir auch mit etwas Zählbarem wieder nach Hause kommen.“ Das Ziel ist klar: „Drei Punkte sollten es schon sein - aber es wird kein Selbstläufer.“

Der 33-Jährige traf auch beim Testspielsieg in Oldenburg.

Das wissen die Emder spätestens seit dem Hinspiel gegen die Fußball-Sport-Vereinigung aus dem Landkreis Helmstedt. Kickers führte nach einem Kopfballtor von Nick Stepantsev mit 1:0. Noch vor der Pause glich Daniel Reiche aus - ebenfalls per Kopf. In der vierten Minute der Nachspielzeit traf der eingewechselte Tom Luca Winter dann zum 1:2 und machte den ersten Schöninger Saisonsieg perfekt.

Beim Spiel in Emden war Schöningen noch Tabellenletzter. Inzwischen rangiert die FSV mit 25 Punkten aus 22 Spielen auf Rang 13 - und damit nur einen Platz hinter Kickers (23 Spiele, 29 Punkte). „Wir treffen auf eine sehr erfahrene Mannschaft, die wir keinesfalls unterschätzen dürfen“, so Steffen. „Sie sind gerade in der Defensive sehr robust und spielen einen ganz guten Ball.“

Im Hinspiel gegen Schöningen bereitete Steffen das 1:0 von Nick Stepantsev vor.

Zuletzt war das FSV-Team mit Blick auf die Ergebnisse eher in einer Achterbahn unterwegs. Im ersten Pflichtspiel des Jahres beim Bremer SV lag Schöningen mit 1:3 zurück und glich durch ein Tor in der 95. Minute noch zum 3:3 aus. Eine Woche später gelang ein 5:0-Erfolg beim FC St. Pauli II - und am vergangenen Freitag verlor der Aufsteiger sein Heimspiel gegen den VfB Lübeck mit 0:4. „Wir müssen uns auf ein absolutes Kampfspiel und eine Mannschaft einstellen, die bei Standardsituationen sehr gefährlich ist.“

Damit kennt sich auch Steffen hervorragend aus. Der 33-Jährige hat in den beiden Kickers-Pflichtspielen des Jahres wieder bewiesen, wie wertvoll er für die Emder ist. Im Heimspiel gegen Eintracht Norderstedt wurde er beim Stand von 0:1 eingewechselt - und sorgte mit einer Vorlage und einem feinen Heber zum 4:2-Endstand dafür, dass Kickers die Partie noch drehen konnte. Es folgte das Traumtor in Lohne. „Für mich persönlich hätte es in diesem Jahr nicht besser laufen können“, sagt er. „Die drei Punkte in Lohne hätte ich natürlich gerne mitgenommen.“

Emdens Nummer 10 war in 17 Spielen an zwölf Toren beteiligt.

Doch auch durch das Remis wurde die Emder Erfolgsserie fortgesetzt: Kickers ist inzwischen seit acht Partien ungeschlagen, verlor zuletzt am 18. Oktober 2025 (1:3 gegen Jeddeloh). Steffen und Co. durften seitdem aber auch „nur“ drei Siege feiern - fünf Partien endeten mit einer Punkteteilung. „Beim 2:2 in Meppen hatten wir Pech in der Nachspielzeit, beim 2:2 gegen Drochtersen dann Glück“, so Steffen. „Trotzdem dürfen wir uns nicht zu viele Unentschieden erlauben, die bringen dich am Ende nicht voran.“

Deshalb haben die Ostfriesen in Schöningen auch einen Sieg im Visier. „Es wird entscheidend sein, dass wir defensiv kompakt stehen, wenige Standards zulassen und die Chancen, die wir bekommen werden, eiskalt nutzen.“ Da kommt dann wieder Tobias Steffen ins Spiel - denn nicht nur seine Bilanz für das Jahr 2026 kann sich sehen lassen. Bei seinen 17 Einsätzen stand der 33-Jährige 989 Minuten auf dem Platz. Er traf dreimal selbst und bereitete neun weitere Tore vor. Im Schnitt ist Steffen etwa alle 82 Minuten an einem Treffer beteiligt. Gut möglich also, dass der Emder Zauberfuß auch in Schöningen wieder für den Unterschied sorgt.