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Foto: Jens Doden

Regionalliga
Samstag, 14.03.2026 20:59 Uhr | Ingo Poppen

Joker Schiller trifft doppelt: Kickers feiert 4:2-Heimsieg

Kickers-Stürmer erzielte vier seiner sechs Saisontore nach Einwechslungen / Auch Steffens und Steffen trafen gegen Norderstedt

Rund 60 Minuten lang lief bei den Regionalliga-Fußballern von Kickers Emden in ihrem ersten Pflichtspiel des Jahres wenig zusammen. Die Ostfriesen lagen nach einem Gegentreffer in der 43. Minute mit 0:1 zurück und hatten Glück, dass die Gäste weitere gute Gelegenheiten nicht nutzen konnten. „Wir haben uns sehr schwergetan, uns haben die nötige Lockerheit und Dynamik gefehlt“, sagte Kickers-Trainer Stefan Emmerling.

Ein Dreifach-Wechsel in der 64. Minute sollte alles verändern. Mit David Schiller, Tobias Steffen und Nick Stepantsev brachte Emmerling frisches Personal für die Offensive - und gab dem Spielverlauf damit die entscheidende Wende. Joker Schiller schnürte einen Doppelpack, Joker Steffen bereitete ein Tor vor und traf selbst zum 4:2-Endstand. Zwischendurch hatte Torjäger Tido Steffens per Foulelfmeter noch seinen 10. Saisontreffer erzielt. „Bei uns kann nicht nur die erste Elf Spiele entscheiden, sondern auch die Jungs, die von der Bank kommen“, so Emmerling. „Das haben sie heute super gemacht.“

Tido Steffens (von links), Tobias Steffen und David Schiller trafen gegen Norderstedt. Foto: Jens Doden

Allen voran David Schiller. Der 27-Jährige traf nach einer Steffens-Flanke mit dem rechten Außenrist zum Ausgleich - dreieinhalb Minuten nach seiner Einwechslung. „Der Ball kam ein bisschen zu weit“, sagte er. „Da musste ich mich ordentlich strecken.“ In der 83. Minute bewies der Stürmer Köpfchen und versenkte eine Steffen-Hereingabe souverän zum 2:1. Zu diesem Zeitpunkt standen die Norderstedter nur noch zu zehnt auf dem Rasen. Leo Bera hatte Schiller bei der Ausführung eines Einwurfs behindert und dafür von Schiedsrichter Filip Gagelmann (Bremen) die Gelb-Rote Karte gesehen (78.).

An der Entstehung des 3:1 war Schiller ebenfalls beteiligt. Nach seiner Kopfballverlängerung zog Steffens in den Strafraum und konnte von Lucas Schulze nur mit einem Foul gestoppt werden. Der beste Emder Torschütze verwandelte den Elfmeter sicher - 3:1 (89.). „Vielleicht hätte Tido mir den Elfer überlassen können“, sagte Schiller und grinste. „Aber wer weiß, ob ich ihn reingemacht hätte.“

Steffens traf per Elfmeter zum zwischenzeitlichen 3:1. Foto: Jens Doden

Auch ohne Treffer Nummer drei war der Stürmer an diesem Nachmittag ein entscheidender Faktor für das Kickers-Comeback. Bemerkenswert: Vier seiner sechs Tore erzielte der zweitbeste Kickers-Schütze als Joker. „Es war einfach ein geiles Gefühl, dass ich der Mannschaft heute so helfen konnte“, sagte er. „Am Ende ist es egal, wer die Tore macht, der Erfolg des gesamten Teams steht im Vordergrund.“

Nach dem Anschlusstreffer von Zimmer (90.) setzte Tobias Steffen schließlich den sehenswerten Schlusspunkt. Der Edeltechniker tauchte nach einem weiten Ball von Bent Andresen frei vor Eintracht-Schlussmann Petzsch auf und überwand ihn mit einem feinen Lupfer (90./+3).

Nach diesem verdienten Heimsieg hatte es lange Zeit nicht ausgesehen. „Norderstedt hat uns das Leben schwer gemacht“, sagte Emmerling. „Wir waren zu verkrampft.“ Während Kickers offensiv kaum stattfand, erarbeiteten sich die abstiegsbedrohten Gäste mehrere Möglichkeiten. Lukas Krüger scheiterte an Torhüter Moritz Schulze (25.), Falk Gross setzte einen Kopfball über den Kasten (29.). Zudem parierte Schulze einen Schuss von Jonas Behounek (41.). Zwei Minuten später war der Winter-Neuzugang machtlos: Nach einer Krüger-Flanke traf Melvin Zimmer zum 0:1 (43.). Die einzig nennenswerte Kickers-Chance vergab Ayukayoh Mengot, dessen Schuss kein Problem für Eintracht-Keeper Niklas Petzsch war (37.).

Joker unter sich: Steffen legte Schiller einen Treffer auf. Foto: Jens Doden

39 Sekunden nach dem Seitenwechsel besaß Manuel Brendel die große Möglichkeit zum 0:2, doch Moritz Schulze bewahrte die Ostfriesen mit einem Reflex vor einem höheren Rückstand. „Da hat uns Mo im Spiel gehalten“, sagte Schiller, der die Szene noch als Ersatzspieler beobachtet hatte. Wenig später stand Emdens Nummer 9 auf dem Platz - und leitete gemeinsam mit seinen Teamkollegen die Wende ein. „Ich freue mich besonders für Tido und Tobi“, so Schiller. „Wir haben heute mal wieder zu dritt auf dem Platz gestanden und alle getroffen - das hat schon ein bisschen an die Oberliga-Saison erinnert.“ In der Spielzeit 2023/24 hatten Schiller, Steffens und Steffen mit ihren Toren und Vorlagen großen Anteil am Regionalliga-Aufstieg - am Samstag sorgten sie für einen gelungenen Auftakt ins Jahr 2026.

Die nächste Aufgabe für Kickers heißt am Freitag Blau-Weiß Lohne (19 Uhr). „Natürlich fahren wir auch dorthin, um zu gewinnen“, sagte Schiller. Bei ihren Joker-Einsätzen gegen Norderstedt sammelten Tobias Steffen und er bereits fleißig Argumente für einen „Rollentausch“: runter von der Ersatzbank, rein in die Startelf.