„Ein geiles Gefühl, wieder zwischen den Pfosten zu stehen“
Kickers-Keeper Luca Petzold spricht über sein Pflichtspiel-Debüt, seine Ziele und das Auswärtsspiel beim Bremer SV
Luca Petzold war einfach nur glücklich. Der Torhüter von Kickers Emden feierte am Mittwochabend gemeinsam mit seinen Teamkollegen und den mitgereisten Fans den 2:1-Erfolg bei der FSV Schöningen. Für den 24-Jährigen war es ein ganz besonderer Sieg - denn Petzold hatte in Schöningen sein erstes Pflichtspiel für die Ostfriesen absolviert. Bis zur Winterpause war er noch für den Bahlinger SC aufgelaufen. Dann verließ Petzold den Tabellenletzten der Regionalliga Südwest und entschied sich für einen Wechsel nach Emden.
Wir haben mit dem 24-Jährigen über sein Debüt im Kickers-Trikot, das Auswärtsspiel beim Bremer SV am Donnerstag (17 Uhr) und fünf Gelbe Karten mit Folgen gesprochen.
Luca Petzold über…
… die für einen Torhüter ungewöhnliche Gelbsperre, die er sich in Bahlingen in der Hinrunde einhandelte:
Wenn du mitten im Abstiegskampf steckst, kann es schon mal ein bisschen emotionaler zugehen als normalerweise. Das hat nicht allen Schiedsrichtern gepasst - deshalb habe ich zwei Gelbe Karten wegen Meckerns kassiert. Eine gab es für ein Zeitspiel und zwei für Fouls. Ich musste gegen Ende der Hinrunde einmal zuschauen, danach kam aber auch keine Karte mehr dazu.
Foto: Tim Leifeld
… seine Ziele für den Rest dieser Saison:
Unser klares Ziel als Mannschaft war es, jedes Spiel zu gewinnen. Das ist nach dem 1:1 in Lohne leider nicht mehr möglich. Aber auch daraus können wir etwas Positives mitnehmen, schließlich haben wir das Spiel am Ende auch nicht verloren. Mit dem Sieg in Schöningen konnten wir direkt den nächsten Schritt nach vorne machen. Daran müssen wir anknüpfen und versuchen, die restlichen zehn Partien auch noch zu gewinnen.
Ich persönlich möchte dem Team in jedem Spiel, das ich bestreite, so gut wie möglich helfen und natürlich immer die Null halten.
… seine Anfangszeit in Emden:
Die ersten Monate waren wirklich sehr positiv. Die Jungs haben mich super aufgenommen. Auch Jakob Oltmanns hat mir in den ersten Tagen sehr geholfen - er hat mir direkt nach meiner Ankunft die Stadt gezeigt. Auch die Fans haben mir ihre Unterstützung angeboten, was absolut nicht selbstverständlich ist. Insgesamt wurde es mir sehr einfach gemacht, schnell in Emden anzukommen. Dass es von Anfang an so gut lief, habe ich ehrlicherweise nicht bei jedem meiner früheren Vereine erlebt.
… sein Verhältnis zu seinem Torhüter-Kollegen Moritz Schulze, der ebenfalls seit Januar für Kickers spielt:
Wir haben ein sehr professionelles Verhältnis. Ich glaube, wir nehmen die aktuelle Situation mit dem Wechsel-Prinzip beide gut an. Jeder will natürlich am liebsten immer spielen, das ist ja ganz logisch. Wir verstehen uns im Training gut. Das gilt auch für unseren U19-Keeper Tjark, der viele Einheiten mit uns absolviert, und unseren Torwart-Trainer Daniel. Bei uns herrscht eine gute Atmosphäre.
… das bereits angesprochene Wechsel-Prinzip, bei dem beide Keeper jeweils zwei Spiele in Folge absolvieren:
Während meiner Zeit bei Rot-Weiß Erfurt hatten wir dieses Modell auch für ein paar Wochen mal, sonst aber noch nirgends. Deshalb ist es eine neue Erfahrung für mich, die ich professionell annehme. Mir bleibt auch nichts anderes übrig, denn das Trainerteam hat sich so entschieden. Moritz und ich wollen beide so viel Spielzeit wie möglich haben. Mir ist es wichtig, dass ich in den Spielen, die ich machen darf, so gut performe wie möglich. Ich glaube, das ist mir mit meinem ersten Spiel in Schöningen ganz ordentlich gelungen.
Foto: Jens Doden
… sein Pflichtspiel-Debüt im Kickers-Tor beim 2:1-Sieg in Schöningen:
Es war einfach ein geiles Gefühl, wieder zwischen den Pfosten zu stehen. Mein letztes Pflichtspiel war am 6. Dezember 2025 - und durch die ungewöhnlich lange Winterpause hat es dann wirklich gedauert. Entsprechend habe ich mich sehr auf mein erstes Punktspiel gefreut. Dass wir am Ende gewonnen haben, war natürlich umso besser.
Solche Spiele sind ehrlich gesagt nie ganz einfach. Wir hatten durch die Vollsperrung der Autobahn eine extrem lange Busfahrt. Dann hatte ich im Spiel auch nicht allzu viel zu tun. Die Herausforderung für mich bestand deshalb darin, über die gesamte Zeit im Kopf klar zu bleiben. Wie wichtig das war, hat man dann in der Nachspielzeit gesehen, als noch der Distanzschuss kam. Weil vor mir viel los war, habe ich den Ball relativ spät gesehen - für einen Torwart sind das immer eklige Momente.
Insgesamt haben wir es aus meiner Sicht gut wegverteidigt. Es war sicher ein dreckiger Sieg, aber es gehört auch mal dazu, dass man so ein 2:1 mit nach Hause nimmt.
… das Auswärtsspiel beim Bremer SV:
Ich erwarte eine ähnliche Partie wie in Schöningen. Weil ich die Liga nicht gut genug kenne, kann ich den Gegner schwer einschätzen. Aber ich erwarte ein sehr intensives Kampfspiel, in dem jeder von uns 100 Prozent abrufen muss.
Der Rasen wird sicher nicht in seinem besten Zustand sein, deshalb kommt es auch nicht darauf an, wer den schönsten Fußball spielt. Wir müssen als „abgewichste Mannschaft“ dahin fahren und auch so auftreten. Am Ende wird es darauf ankommen, wer den Sieg am meisten will. Wenn jeder von uns sein Können abruft, bin ich mir sicher, dass wir auch in Bremen als Sieger vom Platz gehen.
