Menü

Foto: Jens Doden

Regionalliga
Donnerstag, 05.11.2026 | Ingo Poppen

„Wenn wir uns fokussieren, können wir jedes Spiel gewinnen“

Ibrahim Touray spricht über seine lange Verletzungspause, ein Bruderduell und das Heimspiel gegen den VfB Lübeck

Für Ibrahim Touray hatte die Regionalliga-Saison gut begonnen. Beim Auftaktspiel von Kickers Emden beim HSC Hannover (4:4) stand der 20-Jährige in der Startelf. „Ich habe eine ordentliche Vorbereitung gespielt, stand in der ersten Partie von Beginn an auf dem Platz - es fühlte sich alles gut an“, sagt er. Wenige Tage später änderte sich Tourays Gemütslage dann von einem Moment auf den anderen: Der Defensivspieler verletzte sich im Abschlusstraining vor dem ersten Heimspiel gegen den Hamburger SV II. „Das war schon ein Rückschlag für mich.“

Die Diagnose machte die Situation noch schwieriger: Schambeinentzündung. Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr auf den Platz wurde Touray schnell genommen. „Die Ärzte haben mir gesagt, dass ich rund sechs Monate lang ausfallen könnte“, sagt er. „Ich war schockiert.“ Für den 20-Jährigen begannen „frustrierende Wochen“, in denen er aber viel Unterstützung bekam. „Meine Familie und meine Teamkollegen haben mich aufgebaut, das hat mir sehr geholfen.“

Foto: Jens Doden

Zudem arbeitete er mit einem alten Bekannten an seinem Comeback. „Ich habe einen sehr guten Physiotherapeuten in meiner Heimat“, sagt der gebürtige Münsteraner Touray. „Er hat mir Mut gemacht, dass ich auch schneller wieder fit sein kann.“ Der Plan ging auf. So stand der 20-Jährige beim FC St. Pauli II immerhin schon wieder im Kickers-Kader - acht Wochen nach seinem letzten Spiel.

Inzwischen hat Touray bereits vier Einsätze absolviert, zweimal stand er dabei in der Startelf. Zuletzt trug er dazu bei, dass sich Kickers beim Tabellenführer Weiche Flensburg ein 1:1 erkämpfte. „Da hat man gesehen, dass wir trotz vieler junger Spieler schon eine reife Leistung gezeigt haben“, sagt Touray. „Wenn wir uns fokussieren und als Einheit auftreten, können wir jedes Spiel gewinnen.“

Foto: Jens Doden

Nach zuletzt fünf Partien ohne Sieg hofft der Abwehrspieler am Freitagabend auf drei Punkte: Dann empfangen die Emder den VfB Lübeck zum Duell zweier Traditionsvereine (19 Uhr, Ostfriesland-Stadion). „Wir treffen auf einen guten Gegner, der zuletzt eine tolle Serie hingelegt hat“, sagt Touray. Nach einem schwachen Saisonstart mit zwei Zählern aus sechs Begegnungen blieben die Lübecker zuletzt acht Spiele lang ungeschlagen (vier Siege, vier Unentschieden). Am vergangenen Samstag setzte es an der heimischen Lohmühle eine deutliche 2:5-Niederlage gegen die U23 von Werder Bremen.

„Wir dürfen Lübeck nicht unterschätzen, aber wir müssen auch keine Angst haben“, so Touray. Er selbst hatte in den vergangenen Tagen bereits Kontakt zum nächsten Gegner. „Ich kenne Joel Amadi aus Münster. Er sagte mir, dass sich der VfB auf das Spiel freut.“ Die Punkte sollen allerdings in Emden bleiben. Selbstvertrauen zieht der 20-Jährige vor allem aus dem Auswärtsspiel in Flensburg. „Wir sind sehr erwachsen aufgetreten, gerade defensiv. Da haben wir nicht viel zugelassen.“

Foto: Jens Doden

An dieser Leistung hatte auch Touray als Rechtsverteidiger großen Anteil. Für ihn war es der zweite Startelfeinsatz nach der langen Verletzungspause. Der erste wird ihm noch lange in Erinnerung bleiben. „Gegen Phönix Lübeck habe ich gegen meinen großen Bruder gespielt.“ Zwar standen Ibrahim und der 27-jährige Ousman beim jüngsten Kickers-Heimspiel nur knapp vier Minuten gemeinsam auf dem Rasen. „Aber es war ein toller Moment“, sagt Touray.

Foto: Jens Doden

Wenn es nach dem 20-Jährigen geht, sollen künftig noch viele weitere spezielle Erlebnisse im Kickers-Trikot folgen. „Ich möchte möglichst jedes Spiel machen, einige Tore vorbereiten und auch selbst treffen“, sagt Touray, der vom Zweitligisten VfL Osnabrück ausgeliehen ist. „Das Wichtigste ist, dass wir unsere Spiele gewinnen und so weit wie möglich oben mitspielen. In der kommenden Saison möchte ich dann beim VfL angreifen.“

Touray konzentriert sich aber zunächst auf die kommende Aufgabe - und die heißt VfB Lübeck. „Es wird entscheidend sein, dass wir von Anfang so auftreten wie in Flensburg“, sagt er. „Wir müssen defensiv stabil stehen, uns auch für kleine Aktionen abfeiern und vorne zielstrebig den Abschluss suchen.“ Der Abwehrmann hofft auf den vierten Heimsieg dieser Saison - und auf seine persönliche Premiere: In keinem seiner bisherigen fünf Einsätze durfte der 20-Jährige einen Kickers-Sieg bejubeln. Das soll sich am Freitagabend ändern.