„Wir müssen auf dem Platz die Ruhe bewahren“
Kickers-Torhüter Luca Petzold über die Derbypleite in Oldenburg, personelle Ausfälle und den nächsten Gegner Phönix Lübeck
Luca Petzold riskierte auch in der Nachspielzeit noch Kopf und Kragen. Der Torhüter von Kickers Emden warf sich in jeden Schuss, konnte die Gegentore zum 0:3 und 0:4 aber nicht verhindern. So kassierten die Ostfriesen am Sonntag eine deutliche Derbypleite beim VfB Oldenburg, obwohl die Partie längst nicht so eindeutig war, wie es das Ergebnis vermuten lässt.
Petzold und Co. verloren nicht nur das Prestigeduell beim VfB, sondern auch Fabian Herbst und Peer Mahncke. Nachdem Mahncke die Gelb-Rote Karte gesehen hatte, kassierte der bereits ausgewechselte Herbst Rot. Die umstrittenen Platzverweise haben Folgen: Kickers-Trainer Björn Lindemann muss im Heimspiel gegen Phönix Lübeck (Samstag, 18 Uhr, Ostfriesland-Stadion) zwei Stammspieler ersetzen. Außerdem fallen Bogdan Shubin (Hochzeit) und der weiterhin verletzte Toshiaki Miyamoto aus.
Ohne vier Leistungsträger treten die Emder gegen einen „Angstgegner“ an: Der Tabellenvierte gewann die vergangenen drei Spiele gegen Kickers allesamt (2:0, 3:1, 3:0). Luca Petzold ist dennoch zuversichtlich, dass sein Team nach den beiden Niederlagen gegen Todesfelde und in Oldenburg in die Erfolgsspur zurückkehren wird. Wir haben mit Emdens Nummer 1 über die Lehren aus dem Derby, die Ausfälle der Stammspieler und den nächsten Gegner gesprochen.
Luca Petzold über…
…die Nachwirkungen der 0:4-Derbyniederlage in Oldenburg:
Das Ergebnis war natürlich sehr ärgerlich. Es hat uns direkt nach dem Spiel und auch am nächsten Tag noch beschäftigt. Wir haben beim Training am Montag noch einmal über das Derby gesprochen und direkt eine Videoanalyse gemacht, um die Partie so schnell wie möglich abzuhaken. Der Spielverlauf war aus unserer Sicht sehr bitter, aber es bringt nichts, sich damit noch lange zu beschäftigen.
…das Derby vor der Gelb-Roten Karte:
Ich fand, wir waren in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft - auch, wenn Oldenburg zwei gute Chancen hatte und dann auch in Führung gegangen ist. Wir hatten mehr von der Partie, haben uns auch Möglichkeiten erarbeitet, um das 1:0 zu machen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit, als wir noch zu elft auf dem Platz gestanden haben, wirkte es so, als würde Oldenburg das 1:0 verteidigen wollen. Da hatte ich nicht den Eindruck, dass sie auf den zweiten Treffer gespielt haben.
Foto: Jens Doden
…das Derby nach der Gelb-Roten Karte:
Der Platzverweis für Peer hat das Spiel stark beeinflusst und das Derby am Ende auch entschieden. Wir haben danach einen Moment gebraucht, um uns zu fangen und zu sammeln. Das 2:0 fällt dann natürlich auch zu einem extrem bitteren Zeitpunkt, kurz nach der Gelb-Roten Karte. Trotzdem haben wir es in Unterzahl weiterhin gut gemacht. Wenn Michael seine Kopfballchance kurz vor Schluss nutzt, ist es auch egal, ob du mit einem Mann weniger spielst. Dann ist es nur noch eine Mentalitätsfrage. Wir hätten die Bälle nach vorne geschlagen - und ich bin mir sicher, dass wir den VfB noch einmal unter Druck hätten setzen können.
Leider hat das nicht geklappt. Deshalb bleibe ich dabei, dass die Entscheidung des Schiedsrichters ausschlaggebend für die Niederlage war. Natürlich hatten wir auch zu zehnt noch unsere Möglichkeiten, waren hinten aber auch einen Tick offener. So kamen dann die beiden Gegentore in der Nachspielzeit zustande. Das 0:4 sieht als Ergebnis blöd aus, aber wir haben bis zum Ende einfach alles versucht.
…die positiven Aspekte, die Kickers trotz der Niederlage aus dem Derby ziehen kann:
Wir haben Mentalität gezeigt, uns in alles reingeworfen. Entscheidend finde ich auch, dass wir nicht durchgedreht oder hektisch geworden sind. Dass Oldenburg mehr Ballbesitz hat, war eine logische Folge des Platzverweises. Wir haben sie ein bisschen kommen lassen und versucht, gut zu verteidigen. Auch die erste Halbzeit, in der wir aus meiner Sicht das bessere Team waren, können wir mitnehmen. Denn auch am Samstag treffen wir wieder auf eine besser platzierte Mannschaft.
…die zusätzlichen Ausfälle von Fabian Herbst, Peer Mahncke und Bogdan Shubin:
Es ist extrem blöd, dass uns die erfahrenen Jungs in dieser Phase fehlen. Das gilt ganz besonders für Fabi. Nach seiner ersten Verletzung hat man gesehen, wie wichtig seine Rückkehr für uns war. Er stand wieder auf dem Platz und wir haben mit 5:0 gegen den damaligen Tabellenführer Schöningen gewonnen.
Der Trainer hat das Thema auch angesprochen. Die Jungs, die nun reinkommen werden, haben Bock, sind hungrig und können sich zeigen. Sie alle wollen natürlich ihre Chance nutzen, in die Startelf zu rücken. Für uns erfahrene Spieler gilt es, auf dem Platz die Ruhe zu bewahren und den Jungs zu zeigen, dass sie vor keiner Situation Angst haben müssen. Fehler passieren uns allen, das ist ganz normal. Wir dürfen jetzt nicht hektisch werden.
Foto: Jens Doden
…die Stärken von Phönix Lübeck:
Phönix steht nicht umsonst auf dem vierten Platz. Sie wollen einen guten Ball spielen, haben aber auch eine Menge Erfahrung im Kader. Diese Mischung macht sie gefährlich.
…den Schlüssel zum Ende der Emder Negativserie gegen Phönix Lübeck:
Wir spielen im Ostfriesland-Stadion und haben unsere Fans im Rücken. Das ist schon mal ein großer Pluspunkt, der für uns spricht. Im Vergleich zu den vergangenen Duellen haben wir eine komplett neue Mannschaft, auch bei Phönix hat sich personell ein bisschen was getan. Deshalb ist es schwer, die aktuelle Situation mit den früheren Spielen zu vergleichen. Es wird eine ganz neue Partie sein, in der zwei spielerisch starke Teams aufeinandertreffen. Wir haben viel Qualität im Kader, deshalb bin ich sehr optimistisch, dass wir dieses Mal gewinnen werden.
Foto: Jens Doden
…die Aspekte, die Kickers besser machen muss als im Derby:
Der Knackpunkt in Oldenburg war, dass wir uns in den entscheidenden Situationen nicht clever genug angestellt haben. Vor allem die Szene rund um den Platzverweis ist da ein gutes Beispiel: Es war eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters, aber wir müssen uns einfach aus allen Diskussionen raushalten. Man weiß ja, dass die Unparteiischen bei sowas kleinlich pfeifen, deshalb sollten wir uns von solchen Situationen fernhalten, um uns nicht selbst zu schaden.
Wenn wir das Derby mit Elf gegen Elf zu Ende gespielt hätten, wäre noch einiges möglich gewesen. Und ich bin mir sicher, dass auch gegen Phönix Lübeck einiges möglich ist.
