„Wir müssen nach vorne schauen und befreit aufspielen“
Bogdan Shubin ist der „Dauerbrenner“ bei Kickers / Das erwartet er im Pokalspiel bei Drochtersen/Assel
Bogdan Shubin war überall auf dem Rasen im Ostfriesland-Stadion zu finden. Der Mittelfeldspieler von Kickers Emden gewann Zweikämpfe, leitete Angriffe ein, trat Eckbälle und Freistöße - und rettete in höchster Not am eigenen Strafraum. Sein persönliches Highlight erlebte der 23-Jährige im Heimspiel gegen den Eimsbütteler TV aber bereits nach 120 Sekunden: Da traf Shubin nach Zuspiel von Luc Ihorst zum 1:0 für die Emder und bejubelte seinen ersten Saisontreffer. „Es fühlt sich immer geil an, ein Tor zu machen“, sagt er. „Schade nur, dass es am Ende nicht für drei Punkte gereicht hat.“
Der Spielverlauf gegen den Aufsteiger ist bekannt: Kickers führte mit 2:1, verlor in Unterzahl durch ein Gegentor in der 88. Minute aber noch mit 2:3. „Wir haben uns nach dem Super-Start ein bisschen blöd angestellt“, sagt Shubin. „Wir sind zu passiv geworden und haben uns das Leben selbst schwer gemacht. Mit zehn Mann haben wir es nach der Pause gut gemacht, aber leider noch zwei unglückliche Tore kassiert.“
Foto: Jens Doden
Für den nächsten Auftritt hofft Emdens Nummer 8 nach zwei Regionalliga-Pleiten in Folge auf mehr Spielglück – in einem anderen Wettbewerb. Für Kickers geht es im Viertelfinale des Krombacher-Niedersachsenpokals am Freitagabend zur SV Drochtersen/Assel (19.30 Uhr, Kehdinger Stadion). „Ich glaube, das Pokalspiel kann uns guttun“, sagt Shubin. „Wir dürfen uns keine Gedanken darüber machen, was zuletzt passiert ist. Wir müssen nach vorne schauen und befreit aufspielen.“
Der 23-Jährige hofft auf eine gewisse Leichtigkeit im Team – jene, die er seit seinem Wechsel vom West-Regionalligisten Bonner SC durchaus verkörpert. „Am Anfang war vieles neu: eine neue Stadt, eine neue Mannschaft und ein neues Umfeld“, sagt er. „Aber ich habe mich schnell eingelebt, weil mich alle super aufgenommen haben.“ So entwickelte sich Shubin bei den Emdern schnell zum Stammspieler. Er spult im defensiven Mittelfeld Kilometer um Kilometer ab, bereitete in vier Spielen bereits drei Tore vor, traf einmal selbst – und ist bei Kickers der „Dauerbrenner“. Kein Feldspieler stand in jeder Partie von der ersten bis zur letzten Sekunde auf dem Feld – nur Bogdan Shubin.
Foto: Jens Doden
„Ich fühle mich sehr wohl in Emden und freue mich auf die Zukunft“, sagt er. Nach den beiden Dämpfern in der Liga soll der Einzug ins Pokal-Halbfinale am Freitagabend wieder für gute Laune sorgen. Aber auch Shubin weiß, was für eine Aufgabe auf die Ostfriesen zukommt: D/A, wie die Spielvereinigung Drochtersen/Assel genannt wird, gehört in der Regionalliga Nord zu den Topfavoriten auf die Meisterschaft.
Der Vizemeister der vergangenen Saison verstärkte sich im Sommer prominent: So wechselten unter anderem Tom Sanne (Wacker Burghausen), Christopher Schepp (TSV Havelse), Dominique Ndure (SSV Jeddeloh), Sean Busch (FC 08 Homburg) und Ole Schulz (Werder Bremen II) in den Landkreis Stade. Drochtersen musste in den ersten Wochen der Saison aber auch die langfristigen Ausfälle der Abwehrspieler Liam Giwah, Tjorve Mohr und Nico van der Reith verkraften.
Foto: Jens Doden
Der letztjährige Pokalfinalist (0:3 im Endspiel gegen Jeddeloh) hat bereits das erste Drama in diesem Wettbewerb hinter sich. Gegen Aufsteiger Atlas Delmenhorst lag D/A bis zur vierten Minute der Nachspielzeit mit 0:1 zurück. Dann verwandelte Sanne einen Foulelfmeter zum 1:1 und brachte sein Team in die Verlängerung. Jorik Wulff entschied die Partie schließlich mit einem direkt verwandelten Freistoß zum 2:1 in der 102. Minute.
In der Regionalliga startete der Titelkandidat mit einem 2:1-Erfolg gegen Phönix Lübeck. Es folgten zwei Niederlagen beim VfB Oldenburg (1:3) und gegen Hannover 96 II (1:2). Bei der U21 des Hamburger SV setzte sich D/A am vergangenen Sonntag deutlich mit 4:1 durch. „Es wird nicht leicht für uns“, so Shubin. „Aber jeder weiß, dass der Pokal seine eigenen Gesetze hat.“
Foto: Jens Doden
Der Mittelfeldmann traut den Ostfriesen also eine Überraschung zu. „Wir müssen als Team füreinander da sein und erwachsen auftreten“, sagt der 23-Jährige. Er selbst will wie gewohnt Kilometer fressen, Zweikämpfe führen, Offensivaktionen einleiten – und hätte auch nichts gegen seinen nächsten Treffer. „Mein erstes Tor hat auf jeden Fall Hunger auf mehr gemacht.“
