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Foto: Jörn Hessel

Regionalliga
Freitag, 31.07.2026 22:30 Uhr | Ingo Poppen

„Es ist eine Ehre, Kickers-Kapitän zu sein“

Fabian Herbst spricht im Interview über seine neue Rolle, das neu formierte Emder Team und die Ziele für diese Saison

Fabian Herbst hat ein wahres „Seuchenjahr“ hinter sich. Der Abwehrspieler von Kickers Emden verletzte sich im Auftaktspiel der Saison 2025/26 gegen den SV Meppen früh - nach rund 15 Minuten war das Derby für ihn beendet. Es folgten die Diagnose Muskelfaserriss, einige Wochen Zwangspause - und im Laufe der Spielzeit weitere gesundheitliche Rückschläge. So konnte der als Stammspieler eingeplante Herbst lediglich zehn Mal für die Ostfriesen in der Regionalliga auflaufen.

Ein Jahr später ist der 26-Jährige wieder topfit. Herbst absolvierte die komplette Vorbereitung und überzeugte auch den neuen Kickers-Trainer Björn Lindemann mit seinen Leistungen. Der Coach ernannte den Innenverteidiger zum neuen Kapitän und attestierte ihm eine „sehr gute Vorbereitung“.

Im Interview spricht Herbst über sein neues Amt, den Umbruch im Kickers-Kader, seine Ziele - und eine neue Fahrgemeinschaft.

Moin Fabi! Vormittags Training, nachmittags Training, dazu noch das Lehramtsstudium: Wie hast du den Umstieg aufs Profitum und die Uni in den vergangenen Wochen unter einen Hut bekommen?

Fabian Herbst: Dank der Unterstützung der Mannschaft und des Trainerteams ist mir der Umstieg eigentlich ganz gut gelungen. Bisher lässt es sich vereinbaren, aktuell sind auch Semesterferien. Falls mal etwas war, war der Trainer immer mega-rücksichtsvoll. Er hat ein, zwei Termine auch einfach mal nach hinten geschoben. Ich bin sehr froh, bei den Einheiten dabei sein zu können.

Foto: Jörn Hessel

Umstellen musstest du dich auch beim Thema Fahrgemeinschaft: Du bist als Einziger aus der großen Oldenburg/Bremen-Gruppe übrig geblieben - und verbringst jetzt viel Zeit mit Moritz Busch. Ein angenehmer Gesprächspartner?

Herbst: (lacht) Das ist schon eine große Umstellung. Aber es ist viel wert, dass ich die Fahrt nicht alleine machen muss. Mit Mo habe ich Glück, dass ich einen echt feinen Kerl erwischt habe. Wir nehmen auch noch unseren Co-Trainer Robin Döge mit - und aktuell auch Jamie (Anmerkung der Redaktion: Co-Trainer Marc Jamieson), weil ein Teil der Bahnstrecke gesperrt ist. Gemeinsam geht die Zeit einfach ein bisschen schneller rum.

Du gehst in deine vierte Saison in Emden. Bei Kickers bist du nach dem Umbruch im Sommer der dienstälteste Spieler - und mit 26 Jahren auch der viertälteste Akteur im Kader. Wie schätzt du die „neue“ Mannschaft ein? Konnte sich schon eine Art „Teamgeist“ entwickeln?

Herbst: So eine Einschätzung ist gar nicht so einfach. Wir haben eine sehr junge, lernwillige Mannschaft mit viel Talent und guten Charakteren. Am Ende liegt es an uns, was wir daraus machen werden. Mit der Zeit entwickelt sich dann auch der Teamgeist. Die Stimmung ist schon super. Schauen wir mal, wie sich das alles in den kommenden Wochen entwickelt.

Foto: Jens Doden

Du bist vom Trainer zum Kapitän bestimmt worden. Was bedeuten dir die Entscheidung und das Amt als solches?

Herbst: Für mich ist es eine Ehre, zum Kapitän von Kickers Emden ernannt worden zu sein. Damit habe ich nicht unbedingt gerechnet, aber es ist eine schöne Sache. Ich möchte vorangehen, mein Bestes geben und den Jungs ein gutes Vorbild sein. Da werde ich mir ein Beispiel an unseren vorherigen Kapitänen nehmen. Mit Dennis, Tido und Basti hatten wir bei Kickers sehr gute Kapitäne, die ich mir zum Vorbild nehmen kann.

Apropos Trainer: Wie gefällt dir die Arbeit mit Björn Lindemann und seinem Team?

Herbst: Es ist etwas anderes, aber es macht mega viel Spaß. Die Abläufe sind andere, die Trainingsinhalte auch. Das Trainerteam bringt sehr viel Fachwissen mit, hat eine klare Idee. Da kann man sich als Spieler nur freuen, das jeden Tag miterleben zu können.

Foto: Jens Doden

Wie würdest du eure Vorbereitung beschreiben?

Herbst: Ich würde mal sagen: durchwachsen, aber lehrreich. Die Ergebnisse waren durchwachsen, aber eine Entwicklung stetig zu sehen. Das haben die Resultate leider nicht immer ausgesagt. Trotzdem haben wir im Training und in den Spielen schon viele Fortschritte gemacht. Ganz klar, so ein Umbruch braucht Zeit. Dass nicht alles sofort klappt, ist völlig normal.

Ihr habt in den Testspielen hauptsächlich mit einer Dreierkette gespielt, in der du den zentralen Part übernommen hast. Kannst du dich mit dem System anfreunden oder wäre dir eine Viererkette lieber?

Herbst: Mir macht die Dreierkette sehr viel Spaß. Es ist natürlich eine Umgewöhnung. Aber man lernt wieder neue Dinge, das kann einen ja nur besser machen. Gerade die mittlere Position macht mir echt Laune. Man kann das Spiel gut sehen und leiten, muss natürlich viel Verantwortung übernehmen. Ich versuche, mich da Stück für Stück reinzuarbeiten, um das Bestmögliche an Leistung liefern zu können.

Foto: Jens Doden

Mit Blick auf den Umbruch und die Spielweise: Auf was für eine Mannschaft können sich die Kickers-Fans freuen?

Herbst: Auf eine sehr ballbesitzorientierte Mannschaft, die versucht, guten Fußball zu spielen. Wir wollen im Eins-gegen-Eins, im Offensivspiel generell, mutig sein. Das Team weiß aber auch, dass es im Fußball auf die Grundtugenden ankommt. Wir wollen auch dahin kommen, Spiele über den Kampf und den Willen entscheiden zu können.

Was ist für euch in diesem Jahr möglich?

Herbst: So ganz genau kann ich es dir gar nicht sagen. Als Mannschaft wird es für uns darum gehen, eine Entwicklung zu vollbringen. Abläufe reinbekommen, natürlich auch Spiele gewinnen und die bestmögliche Platzierung zu erreichen. Aber in diesem Jahr haben wir echt keinen Druck. Wir können befreit aufspielen.

Welche Ziele hast du persönlich?

Herbst: Ich möchte einfach fit bleiben - das wäre schon mal viel wert. Natürlich würde ich mich auch darüber freuen, den Jungs mit dem einen oder anderen Tor zu helfen.

Foto: Jens Doden

Wie groß ist die Vorfreude auf den Saisonstart am Samstag?

Herbst: Sie ist enorm. Gerade nach fast sechs Wochen Vorbereitung ist man es irgendwann leid. Es ist schön, dass es jetzt endlich losgeht. Es ist eine Mischung aus leichter Vorfreude und leichter Anspannung. Wir wissen, wie jede Mannschaft, eben noch nicht genau, wo wir stehen. Deshalb wird es ein spannender Start.

Ihr trefft mit dem HSC Hannover auf eine Mannschaft, gegen die Kickers in der vergangenen Saison 3:3 und 1:1 gespielt hat. Was für einen Gegner erwartest du?

Herbst: Der HSC war letztes Jahr ein spielstarker Gegner, hatte viele gute Kicker und einen guten Plan. Obwohl sie tabellarisch nicht so gut dagestanden haben, waren die Spiele gegen sie nicht einfach, gerade auswärts. Der HSC hat einen großen Umbruch hinter sich und auch einen neuen Trainer. Es ist also eine ähnliche Ausgangslage wie bei uns. Es werden zwei neu zusammengewürfelte Mannschaften aufeinandertreffen - aber wir wollen die bessere sein.

Wie wichtig wäre ein Sieg zum Auftakt - und wie soll der gelingen?

Herbst: Drei Punkte wären enorm wichtig. Gerade auch deshalb, um in einen Flow reinzukommen, um Selbstvertrauen zu tanken. Das geht nur über eine geschlossene Mannschaftsleistung. Ich bin aber davon überzeugt, dass uns ein guter Auftritt und der erste Sieg gelingen werden.