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Foto: Jens Doden

NFV-Pokal
Freitag, 21.08.2026 23:56 Uhr | Ingo Poppen

4:2 in Drochtersen - Kickers steht im Pokal-Halbfinale

Emder beweisen Comeback-Qualitäten nach zwei Rückständen / Schröder (2) und Ihorst treffen

„Jetzt ist der Teufel los, bei uns in Drochtersen“ – der Refrain des leicht abgewandelten Partyschlagers von Sänger „Tobee“ hallte am Freitagabend durch die Gästekabine des Kehdinger Stadions. Für die Fußballer von Kickers Emden hingen die Zeilen des Songs in den vergangenen Jahren stets mit Niederlagen bei der SV Drochtersen/Assel zusammen. Nicht so am Freitagabend. Da gelang den Ostfriesen der erste Auswärtssieg in Drochtersen seit 2011 – und ein wichtiger obendrein. Kickers setzte sich im Viertelfinale des Niedersachsenpokals mit 4:2 durch, zog ins Halbfinale ein und darf weiter vom DFB-Pokal träumen.

Die Emder lagen in der ersten Halbzeit zweimal zurück, kamen zweimal zurück und drehten die Partie nach dem Seitenwechsel komplett. „Die Mannschaft hat eine richtig gute Mentalität an den Tag gelegt. Wir haben dann auch mal Spielglück gehabt, das wir uns erarbeitet haben“, sagte Kickers-Trainer Björn Lindemann. „Dass wir in Drochtersen mit 4:2 im Pokal gewinnen, ist für jeden nochmal so ein richtig geiles Ding.“

Foto: Jens Doden

Dabei begann die Partie aus Kickers-Sicht äußerst unglücklich. Erst musste Bent Andresen mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel bereits in der 6. Minute ausgewechselt werden. Nur zwei Minuten später traf Tom Sanne zum 1:0 für D/A. Sean Busch hatte den Stürmer im Strafraum bedient, der Rest war für Sanne aus sieben Metern Formsache (8.).

„Die Jungs sind nicht nervös geworden und haben sich belohnt“, sagte Lindemann. Semin Kojic hatte das 1:1 nach einer Flanke von Toshiaki Miyamoto auf dem Kopf, doch Drochtersen-Torhüter Jesper Heim reagierte glänzend (16.). Beim anschließenden Eckball war der Keeper machtlos. Nick Stepantsev flankte in Richtung Fünfmeterraum, Theo Schröder schlich sich von hinten an und köpfte zum Ausgleich ein (17.).

Ein Eckball führte auch zur erneuten Führung der Gastgeber. Nachdem der Ball nach einem Kopfball von Luca Menke an der Latte gelandet war, parierte Kickers-Torhüter Luca Petzold stark gegen Sanne. Die Kugel landete vor den Füßen von D/A-Kapitän Matti Steinmann, der zum 2:1 traf (26.).

Wieder hatten die Ostfriesen die richtige Antwort parat. Nach einem Foul an Luc Ihorst gab es einen Freistoß an der linken Außenlinie. Stepantsev servierte, Schröder hielt am Fünfmeterraum den Fuß hin – 2:2 (33.). „Ich weiß einfach, wie Nick seine Bälle spielt“, sagte der Doppeltorschütze. „Dass es heute gleich zweimal geklappt hat, ist natürlich überragend.“

Foto: Jens Doden

Das unterhaltsame Pokalduell blieb auch nach der Pause ausgeglichen. Petzold entschärfte einen 25-Meter-Schuss von Busch stark (56.). Kurz darauf jubelten die Emder, doch der Torschütze trug ein D/A-Trikot: Nach einer Hereingabe von Stepantsev war Steinmann vor Ihorst am Ball – und traf die Kugel so unglücklich, dass sie als Bogenlampe zum 2:3 im eigenen Tor landete (60.). Fast genau 120 Sekunden später stand es sogar 4:2 für die Ostfriesen. Kojic hatte den eingewechselten Abwehrspieler Muhammad Dahaba bei der Ballannahme gestört. Ihorst setzte nach – und war auf und davon. Der Stürmer behielt vor Keeper Heim die Ruhe und erhöhte mit einem Linksschuss (62.).

Drochtersen erhöhte fortan den Druck und erarbeitete sich gute Gelegenheiten. Kevin Ingreso köpfte über den Kasten (66.), Christopher Schepp konnte den Ball wenige Meter vor dem Tor nicht kontrollieren (69.) und scheiterte mit einem Abschluss am stark reagierenden Petzold (74.). Auch mehrere Standards sorgten für Gefahr. Nach einer Ecke landete ein Kopfball an der Latte, den Nachschuss von Dominique Ndure klärte Bogdan Shubin auf der Linie (81.).

Semin Kojic hätte in der 90. Minute für die endgültige Entscheidung sorgen können, zielte nach einem Alleingang über den halben Platz aber knapp daneben. Die letzte Chance des Spiels vergab Terry Becker in der fünften Minute der Nachspielzeit. Dann war Schluss und der Emder Halbfinal-Einzug perfekt.

Foto: Jens Doden

„Das war kein Gegner, den man mal so im Vorbeigehen schlägt“, sagte Björn Lindemann. „Gerade nach unserem Saisonstart ist das nicht alltäglich, deshalb freue ich mich umso mehr für die Jungs.“ Der Kickers-Coach spendierte seiner Mannschaft zwei freie Tage und sorgte damit für großen Jubel im obligatorischen „Kreis“ nach dem Spiel.

„Wir haben heute eine sehr, sehr gute Moral gezeigt und uns auch von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen“, sagte Doppelpacker Theo Schröder. „Ich bin glücklich, dass wir uns für den Aufwand mit einem Sieg belohnen konnten.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich der 24-Jährige und machte sich auf den Weg zur Feier-Session in der Gästekabine. Das Motto war auch draußen deutlich zu hören: „Jetzt ist der Teufel los, bei uns in Drochtersen.“